Fluch oder Segen – Videokonferenzen in der Universität

Schon seit geraumer Zeit hat die Videokonferenz Einzug in die „Wohnzimmer“ vieler Universitäten gehalten und ist an einigen sogar zu einem festen Bestandteil des täglichen Ablaufs von Vorlesungen und Kursen geworden. Die kritische Frage ist, ob das zunehmende Angebot an live per Videokonferenz verfolgbaren Kursen der Universitäten und Hochschulen der richtige Weg ist.

Ein gutes Studium zeichnet sich auch dadurch aus, das sich die Studenten zum Teil nach eigenem Interesse und Schwerpunkt ihre Lehrveranstaltungen zusammenstellen können. Das Problem ist dabei des Öfteren, dass entweder die Kurse/Veranstaltungen komplett belegt sind und somit nicht jeder Student daran teilhaben kann, der es gerne würde. Manche Studenten müssen daher auf eventuell weniger beliebte Kurse ausweichen.

Niedrige Teilnehmerzahlenuni-text-2

Gegenteilig dazu gibt es jedoch auch viele Fälle, in denen an einzelnen Standorten Veranstaltungen abgesagt werden aufgrund von mangelndem Interesse. Dieser Gesamtproblematik kann durch den nachhaltigen Einsatz von Videokonferenzen und Aufzeichnungen entgegen gewirkt werden.

In Fällen, in denen der Hörsaal überbelegt ist, kann durch den Einsatz einer Live-Übertragung per Videokonferenz die Möglichkeit geschaffen werden, einen weiteren Hörsaal parallel zu nutzen und dort die Veranstaltung ebenfalls zu zeigen, beispielsweise auf einem großen Monitor, Beamer oder sogar direkt auf den Laptops und Tablets der Studenten.

Mit einem sogenannten Split-Screen, oder auch „geteiltem Bildschirm“ kann zudem ein Blick in die weiteren Hörsäle ermöglicht werden, während auf dem anderen Teil des Bildschirmes Dokumente, PowerPoint-Präsentationen, Lehrfilme oder Ähnliches angezeigt werden können. Eine Journalistik-Vorlesung kann beispielsweise mit einem 15-minütigen Beitrag eines Verlagschefs angereichert werden oder Medizinstudentin können von Ärzten aus erster Hand Informationen erhalten an die Sie ansonsten in der Form und Aktualität nur schwer Zugang erhalten hätten.

Deshalb sollten sich Studenten auch vorab darüber informieren inwieweit Kommunikationsmöglichkeiten per Videokonferenz ergänzend zu Präsenzveranstaltungen in den einzelnen Universitäten und Hochschulen angeboten werden und zur Verfügung stehen.

Interaktive Vorlesunguni-text-1

Die Vorlesungen, die auf geringeres Interesse stoßen und des Öfteren gestrichen werden, könnten nun mit anderen Universitäten und Hochschulen zusammengelegt werden und somit doch mit einer ausreichenden Teilnehmeranzahl stattfinden.
Diese Aussicht hat viele Hochschulen und Universitäten bereits dazu bewegt, mehrere Veranstaltungen gemeinsamen anzubieten – und das sogar Länder-übergreifend -, was den Studenten eine größere Vielfalt bietet. Hinzukommt, dass durch die Möglichkeit der Videokommunikation auch Gastprofessoren, Experten oder Gastredner ohne großen Aufwand visuell zugeschaltet werden können.

Eine Journalistik-Vorlesung kann beispielsweise mit einem 15-minütigen Beitrag eines Verlagschefs angereichert werden oder Medizinstudentin können von Ärzten aus erster Hand Informationen erhalten an die Sie ansonsten in der Form und Aktualität nur schwer Zugang erhalten hätten.

Deshalb sollten sich Studenten auch vorab darüber informieren inwieweit Kommunikationsmöglichkeiten per Videokonferenz ergänzend zu Präsenzveranstaltungen in den einzelnen Universitäten und Hochschulen angeboten werden und zur Verfügung stehen.

Vor- und Nachteile von Telepräsenz in der Universität

Die folgenden Punkte sollten auch geprüft werden:

  • Werden Uni- und Hochschulveranstaltungen auch zeitgleich ins Internet gestreamt?
  • Werden Veranstaltungen per Videokonferenz auch zusätzlich aufgezeichnet und im Internet veröffentlicht?  Dieses wäre von Vorteil, damit zeit- und ortsunabhängig darauf zurückgegriffen werden kann. Bei der Nachbearbeitung kann sich der Student die Vorlesung erneut anschauen, und wichtige Passagen besser nachverfolgen.
  • Können die Videokonferenzen auch auf mobilen Geräten wiedergegeben werden? Gerade bei zum Beispiel langen Bahnfahrten, oder in der Bibliothek kann diese Möglichkeit von Nutzen sein.
  • Werden Lehrveranstaltungen auch gemeinsam von verschiedenen Unis und Hochschulen angeboten, um ein weites Spektrum verschiedenster Lerninhalte abzudecken? Das würde auch die Chance bieten Experten, Gastprofessoren und Gastredner aus verschiedensten Länder, ohne großen Aufwand zuzuschalten und ihr Wissen an die Teilnehmer weiterzugeben.
  • Auch der gesamte Ablauf der Lehrveranstaltungen per Videokonferenz sollte im Vorfeld geklärt werden. Ist beispielsweise eine direkte Beteiligung möglich? Das heißt, ob nicht nur im eigentlichen Hörsaal Fragen erlaubt bzw. möglich sind sondern auch von entfernten Teilnehmern. Es sollte auch geklärt werden, wie diese Fragen oder Wortmeldungen funktionieren. Finden diese beispielsweise per Chat für jeden sichtbar statt und werden diese mit aufgezeichnet?
  • Auch die Möglichkeit von mündlichen Prüfungen per Videokonferenz ist in einigen Universitäten und Hochschulen möglich und kann sehr hilfreich sein.

Kritisch zu betrachten ist hingegen:uni-title-1

  • Eventueller fehlender sozialer Kontakt zwischen den Kommilitonen, wenn sich das Studium ausschließlich auf das Lernen mit Videokonferenzen außerhalb der Uni begrenzt.
  • Wenn die Teilnahme an einer Vorlesung auch online möglich ist, besteht die Gefahr, dass sich die Präsenzzeiten in der Uni drastisch verkürzen und manche Studenten fast nur noch „Vom Bett aus“ an Lehrveranstaltungen teilnehmen, wenn überhaupt.
  • Es ist ein gewisses Maß an Selbstdisziplin erforderlich, um sich voll und ganz auf die Online-Vorlesungen zu konzentrieren und sich nicht mit anderen Dingen nebenher zu beschäftigen.
  • Es besteht die Gefahr, dass sich der zuständige Professor oder Dozent durch die fehlende Präsenz einzelne Studenten nicht mehr „vor Augen“ hat, und ein gewisser persönlicher Kontakt ist für beide Seiten normalerweise von Vorteil. .
  • Die aktive Beteiligung an der Vorlesung könnte sinken.

Resumée

Abschließend kann man sagen, dass die Möglichkeiten die eine Live-Übertragung per Videokonferenz oder sogar eine Aufzeichnung von Vorlesungen bietet, sehr fördernd sein können aber auch mit gewissen Risiken behaftet sind. Videokonferenzen in der Universität von vornherein in den Himmel zu loben oder kategorisch zu verteufeln ist die falsche Herangehensweise. Vielmehr muss der Student oder die Studentin im Einzelfall ehrlich zu sich selbst sein und überdenken, ob ein persönliches Erscheinen im Hörsaal oder die Teilnahme von außerhalb besser geeignet ist. In jedem Fall sollten die Möglichkeiten, die die Universität oder Fachhochschule bietet jedoch ausprobiert werden. Eine Kombination aus Präsenzveranstaltungen und Lehren per Videokonferenz ist sicherlich von Vorteil, um ein maßgeschneidertes Studium zu entwickeln, das auf die jeweiligen Lebenssituationen abgestimmt ist.