Nonverbale Kommunikation: Erfolgsfaktoren

Die nonverbale Kommunikation ist in vielen Bereichen unseres Lebens ein elementarer Bestandteil. Beispielsweise bei einen Bewerbungsgespräch, einem Meeting mit Geschäftspartnern oder Kunden. Aber was bedeutet eigentlich dieser inflationär eingesetzte Begriff?
Laut dem Duden findet die nonverbale Kommunikation nicht über die Sprache an sich statt, sondern sie wird vielmehr durch Mimik, Gestik und Zeichen vermittelt. Also kurz gesagt, alles, was Sie nicht direkt aussprechen zählt zur nonverbalen Kommunikation.

Um Ihnen zu verdeutlichen, welche zentrale Rolle die nonverbale Kommunikation spielt, hier ein paar Zahlen, die das deutsche „Allensbach-Institut“ erhoben hat: Demnach macht die verbale Kommunikation, d.h. der fachliche Inhalt eines Gespräches nur 19% aus. Die paraverbale Kommunikation, also der Tonfall, die Betonung und die Artikulation dagegen 26%. Die nonverbale Kommunikation, mit all Ihren Gesten, der Mimik, den Bewegungen und dem Auftreten insgesamt macht sogar 55% eines Gespräches aus.
Das bedeutet im Umkehrschluss, dass mehr als 80% eines Gesprächsinhaltes über die Körpersprache vermittelt wird.gruppe

Die nonverbale Kommunikation läuft bei ungeübten und ungeschulten Menschen nahezu automatisch und unbewusst ab. Körperhaltung, Gestik und Mimik bewusst einzusetzen, muss daher speziell geübt, trainiert und erlernt werden.

Vor allem im Management ist die nonverbale Kommunikation besonders entscheidend für den erfolgreichen Ausgang von Gesprächen und Verhandlungen. Hier lohnt es sich, an speziellen Schulungen oder Coachings teilzunehmen.

Im Gegensatz zu einer Telefonkonferenz spielt die nonverbale Kommunikation bei einer Videokonferenz eine besonders wichtige Rolle.
Durch die effektivere Kommunikation durch den Einsatz von Mimik und Gestik, kann die Einflussnahme auf das Gespräch und dessen Ergebnis erhöht werden.
Grundsätzlich ist zunächst auf die Kongruenz zu achten, das heißt, dass die Bewegungen und Gesten mit den verbalen Inhalten im Einklang stehen und zeitlich passend ablaufen.

Welche Faktoren machen die nonverbale Kommunikation aus?

  • Mimik
  • Körperhaltung
  • Gestik
  • Blickkontakt
  • Distanzverhalten und Körperkontakt
  • Stimmlage und Betonung

Jedoch gehören zur nonverbalen Kommunikation auch andere Parameter wie beispielsweise:

  • Der Geruch eines Menschen
  • Die Körpergröße
  • Haarfarbe, Garderobe
  • Körperhaltung

Auch räumliche Aspekte wie das Büro, die Einrichtung (Möbel, Farbe, Beleuchtung) und der Standort spielen eine Rolle. Als Beispiel eine Anwaltskanzlei: Ein potenzieller Mandant wird wohl eher Zutrauen in eine Kanzlei verspüren, die sich zentral, in einem gehobenen Stadtteil befindet als in einem „ärmeren“ Stadtteil. Ein anderes, gutes Beispiel sind hier Fast-Food-Restaurants wie „Burger King“ oder „McDonald’s“ mit ihren grellen, farbintensiven Einrichtungen und eher unbequemen Plastikstühlen.
Größtenteils sind Fast-Food-Restaurants bewusst so eingerichtet, damit der Fließverkehr läuft und sich die Kunden nicht allzu lange in den Restaurants aufhalten. Auch das Credo “Der puristische und schnelle Imbiss” soll durch diese Einrichtung unterstützt werden.
In einem Nobelrestaurant hingegen ist das Ambiente eher mit gedeckten Farben und gedämpftem Licht gehalten. Das soll den Gästen einen Wohlfühlfaktor bieten, damit der Aufenthalt vielleicht doch etwas länger dauert und noch eine Flasche Wein mehr als geplant bestellt wird.

Übungen für Zuhause

Es ist relativ leicht, die nonverbale Kommunikation auch von zu Hause aus zu trainieren und zu verbessern. Sie können sich einen Filmausschnitt von einer Person anschauen, und dabei den Ton abstellen. Nun versuchen Sie, die wahrgenommene Körpersprache zu deuten. Danach schauen Sie sich den Filmausschnitt erneut mit Ton an und überprüfen, ob Sie mit Ihrer Einschätzung richtig lagen. Auch mit Freunden oder Bekannten kann durch eine spielerische Art die Körpersprache entschlüsselt, trainiert und verbessert werden. Pantomimische Spiele eignen sich hier sehr gut.
Eine Person stellt verschiedene Situationen aus Alltag oder Berufsleben nach. Die anderen Personen deuten und analysieren danach die eingesetzte Mimik, Gestik und Körpersprache und geben Verbesserungsvorschläge. Dies gibt der Person einen besseren Einblick von außen.
Auch das altbekannte Training alleine vor dem Spiegel eignet sich sehr gut, um an seinen nonverbalen Signalen zu arbeiten. Der Vorteil ist dabei, dass die Hemmschwelle neue Kommunikationsarten oder Gesten auszuprobieren und einzustudieren wesentlich geringer ist als vor anderen Personen. Man kann sich schließlich nicht lächerlich machen und es fällt einfacher, auch mal etwas gänzlich Neues auszuprobieren und in aller Ruhe zu perfektionieren.

Videokonferenzen durch richtige nonverbale Kommunikation erfolgreicher gestalten, und worauf Sie besonders achten sollten:

  • Hängende Schultern wirken träge, unmotiviert und wenig selbstsicher
  • Verschränkte Arme wirken dagegen abweisend und wenig kompromissbereit
  • Die Hände auf den Knien sind oft ein Zeichen von Nervosität und Angespanntheit
  • Ein fehlender Blickkontakt wirkt unseriös, uninteressiert und nicht selbstbewusst

Ratschläge für ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch bezüglich der nonverbalen Kommunikation:gespräch

  • Richten Sie den Blick auf den Recruiter und schauen Sie ihn während des Gespräches direkt an. Weichen seinen Blicken nicht aus. Dem Gegenüber anzublicken zeugt von einem gewissen Selbstvertrauen und lässt auf Ehrlichkeit und Entschlossenheit schließen. Tipp: Stellen Sie sich vor, Sie schauen durch die Augen des Gesprächspartners hindurch.
  • Gesten und Bewegungen sollten Dynamik aufweisen. Ausladende und stetige Gesten wirken selbstsicher und bestimmt, während unruhige und kleine Gesten eher einen Eindruck von Nervosität und Unsicherheit vermitteln. Bestes Beispiel: Der berühmte „Zappelphilipp“.
  • Verleihen Sie Ihrer Stimme Lebendigkeit und Abwechslung, lassen Sie sie nicht zu monoton wirken. Variieren Sie die Eindringlichkeit Ihrer Stimme. Achten Sie in regelmäßigen Abständen darauf, dass Sie flüssig, klar und nicht mit zu hohem Tempo sprechen.
  • Nutzen Sie auch die Möglichkeit von Kunstpausen, diese, kann Ihren Aussagen mehr Nachdruck, Sicherheit und Bestimmtheit verleihen und geben dem Gegenüber zusätzlich die Möglichkeit, das gerade Gesagte noch einmal Revue passieren zu lassen.
  • Vermeiden Sie es, während des Gespräches an sich „herumzuspielen“ d.h. unterlassen Sie es, sich an Ihrer Garderobe zu zupfen oder nervös mit dem Kugelschreiber zu hantieren.
  • Signalisieren Sie Offenheit. Sitzen Sie aufrecht und verschränken weder Arme noch Beine.
  • Vermitteln Sie eine positive Einstellung, indem Sie den Kopf dem Gesprächspartner zuwenden und hin und wieder mit dem Kopf nicken. Das zeigt Ihrem Gesprächspartner, dass Sie aufmerksam dem Gespräch folgen.

Wenn Hektik aufkommt oder in Stresssituationen verfallen wir oft in alte Gewohnheiten zurück. Nonverbale Eigenheiten sind wesentlich schwieriger zu verändern als die verbalen. Sie sollten sich daher selber reflektieren und ehrlich zu sich selbst sein. Wenn Ihnen etwas auffällt, das Ihnen nicht gefällt, reicht es manchmal auch schon aus, sich dessen bewusst zu sein und darauf zu achten.

In anderen Kulturen werden die uns geläufigen Gesten oftmals völlig anders verstanden und interpretiert, als wir es gewohnt sind. Daher sollten Sie sich vor der nächsten Reise oder dem Meeting im Ausland ein wenig über die interkulturellen Unterschiede informieren. Vermeiden Sie „böse“ Missverständnisse.

Hier ein kleiner Auszug der unterschiedlichen Bedeutungen uns bekannter Gesten:hand

Asien

  • Bei Meetings mit Ihren Geschäftspartnern sollten Sie darauf achten, dass ihr Gesprächspartner nicht Ihre Schuhsohle sieht bzw. in dessen Richtung zeigt. In Asien gilt dies als Beleidigung des Gesprächspartners.
  • Das Formen eines Kreises mit Zeigefinger und Daumen wird als anstößig empfunden.
  • In großen Teilen Asiens – besonders im Süden, drückt Kopfschütteln Zustimmung aus.

Frankreich

  • Die Geste, den Zeigefinger und Daumen zu einem Kreis zu formen, bedeutet in Frankreich auch etwas anderes als bei uns: Etwas ist völlig verbraucht und wertlos.

Großbritannien

  • Wer in Großbritannien das „Victory-Zeichen” bzw. „Friedenszeichen“ mit der Handfläche nach innen zeigt, hat seinem Gesprächspartner im übertragenen Sinne den vor allem in Deutschland bekannten „Stinkefinger“ gezeigt.

Bulgarien

  • Das Kopfschütteln wird in Bulgarien und Indien nicht wie in Deutschland gewohnt, als Verneinung angesehen, sondern als Zustimmung.

Thailand

  • Kleinen Kindern sollten Sie in Thailand nicht über den Kopf streicheln, diese Geste wird in Thailand nicht gerne gesehen, besonders wenn es fremde Personen tun.

Australien

  • Der nach oben gestreckte Daumen wird anders als in Deutschland und den USA nicht als „alles in Ordnung“ aufgefasst, sondern wird als eine Beleidigung verstanden.

Japan

  • Auch die Geste, des aus Daumen und Zeigefinger geformten Kreises ist hier nicht von gleicher Bedeutung: in Japan ist es als Zeichen für Geld zu verstehen bzw. das man sich darüber unterhalten kann.

Iran

  • Vorsichtig sollten Sie auch mit der Geste des erhobenen Daumens im Iran sein, denn diese gilt dort als eine schwere Beleidigung. Es ist in etwa mit unserem „Stinkefinger“ zu vergleichen.

Nordamerika

  • Das „Vogel zeigen“, also mit dem Finger gegen die Stirn tippen, ist in Deutschland ein Zeichen für „Du spinnst wohl“. In Nordamerika hingegen ist diese Geste allerdings ein Kompliment, dass diejenige Person intelligent ist.

Wir hoffen, dass Sie in nächster Zeit bewusst auf Ihre Gestik achten, und wünschen Ihnen viel Spaß und Erfolg beim Trainieren der nonverbalen Kommunikation!